Offen bleibt: Analog oder digital

Signale von Radsensoren können in analoger oder digitaler Form zur Verfügung gestellt werden. Manfred Sommergruber erläutert am Beispiel des Frauscher Radsensor RSR110 die jeweiligen Besonderheiten.

Zukunft braucht Offenheit: Das heißt bei der Entwicklung von Lösungen für den Bahnbereich, dass Informationen über und rund um die Schnittstelle verständlich und strukturiert weitergegeben werden. Nur so steht das Wissen zur Verfügung, mit dem sich die Anforderungen einzelner Projekte optimal identifizieren und erfüllen lassen.

Wenn induktive Radsensoren mit dieser Philosophie entwickelt werden, bietet das eine Reihe spezifischer Vorteile. So wird das Sensorsignal über eine offene Schnittstelle unverändert und direkt zur Verfügung gestellt, wodurch sich Implementierung und Evaluierung absolut individuell gestalten lassen. Die direkte Integration ermöglicht zudem einen maximalen Detailgrad in der Auswertung. Da keine spezifische Auswerteeinheit benötigt wird, lassen sich der Bedarf an Hardwarekomponenten sowie Platz- und Energieverbrauch und die damit verbundenen Kosten auf ein Minimum reduzieren.

„Die Überzeugung, dass ein Radsensor mit offener analoger Schnittstelle bedeutende Vorteile für Systemintegratoren und Betreiber bieten kann, war die treibende Kraft hinter der Entwicklung des RSR110. Dieser Radsensor vereint Robustheit und Zuverlässigkeit und ist der erste aus unserem Portfolio, der komplett ohne Auswerteeinheit erhältlich ist. Unsere Kunden können das Sensorsignal genau so verwenden, wie es die jeweilige Applikation verlangt“, beschreibt Manfred Sommergruber, Technical Sales Manager bei Frauscher, die Geschichte hinter dem Produkt.

Schon bald nach seiner Markteinführung wurde dieser Radsensor in unterschiedlichsten Anwendungen verbaut – und bis heute kommen stets neue hinzu. So nutzt beispielsweise Prosoft den RSR110 inzwischen als Standardkomponente in seinen RFID-Systemen. „Auf Basis der offenen Schnittstelle dieses Sensors können wir das Signal zu 100 Prozent gemäß unseren Anforderungen auswerten“, sagt Martin Novak, CEO Prosoft Süd Consulting GmbH. „Auch die hohe Genauigkeit, mit der dieses Gerät arbeitet, und die flexiblen Möglichkeiten zur Integration waren entscheidende Gründe dafür, dass wir den RSR110 heute als Standardkomponente in unseren Systemen verwenden.“

Radsensoren mit offener Schnittstelle ermöglichen individuelle Auswertungen.Radsensoren mit offener Schnittstelle ermöglichen individuelle Auswertungen.

Analog oder digital?

Auch für offene Schnittstellen gilt, dass die digitale Version speziell in Bezug auf eine rasche Abwicklung der Integration Vorteile gegenüber einer analogen Schnittstelle bietet. Verschiedene Frauscher Raddetektionssysteme verwenden dazu spezielle Auswerteeinheiten. Die darüber gewonnenen, digitalisierten Signale durchlaufen eine Vorevaluierung, die eine rasche Weiterverarbeitung der Daten ermöglicht.

„Nachdem wir den RSR110 in mehreren Projekten implementiert hatten, erhielten wir positive Rückmeldungen aus unterschiedlichen Märkten. Gleichzeitig erfuhren wir aber in verschiedenen Gesprächen, dass einige Kunden die Informationen gar nicht in der Genauigkeit benötigen, die das analoge Signal ermöglicht. Stattdessen wäre in manchen Fällen ein vorausgewertetes digitales Signal samt digitaler Schnittstelle ausreichend gewesen“, sagt Manfred Sommergruber. „Also haben wir uns entschlossen einen Wheel Sensor Signal Converter WSC zu entwickeln, der das analoge in ein digitales Signal umwandelt und eine entsprechende Schnittstelle schafft. Das reduziert in erster Linie den Aufwand auf Kundenseite, der diese Umwandlung nun nicht mehr selbst lösen muss. Daraus ergibt sich die Möglichkeit einer noch rascheren und einfacheren Integration in übergeordnete Systeme.“

Flexibilität als Schlüssel

Grundsätzlich können über analoge und digitale Schnittstellen dieselben Informationen zur Verfügung gestellt werden. Sie unterscheiden sich darin, dass die Vorevaluierung zur Umwandlung des Signals im Gegensatz zur direkten Einspeisung des analogen Signals in übergeordnete Systeme den möglichen Detailgrad der weiteren Auswertung zu einem gewissen Maß einschränkt.

„Mit dem RSR110 und dem WSC können wir unseren Kunden aber in jedem Fall genau jene Komponenten bieten, die gemäß der individuellen Projektanforderungen benötigt werden“, fasst Manfred Sommergruber zusammen – und führt ein Beispiel für ein Projekt an, in dem beide Ansätze zur Anwendung kamen: „Ein Kunde gab uns die Rückmeldung, dass er bereits den RSR110 gemeinsam mit der WSC Baugruppe einsetzt, um die Sensorinformationen über die digitale Schnittstelle in sein System einzuspeisen.

Damit werden verschiedene Überwachungsanlagen aktiviert. Für eine spezifischere Installation bedurfte es aber einer Evaluierung exakter Radpositionen. Diese Anforderung wurde erfüllt, indem das analoge Signal direkt eingespeist wird – was lediglich der Implementierung weiterer RSR110 Sensoren ohne WSC Baugruppe bedurfte. So konnten zwei Anforderungen erfolgreich mit nur einem Produkt erfüllt werden.“

Das Signal kann direkt aus dem Sensor verwendet oder zur einfacheren Einbindung über den WSC vorab digitalisiert werden.Das Signal kann direkt aus dem Sensor verwendet oder zur einfacheren Einbindung über den WSC vorab digitalisiert werden.

Manfred Sommergruber

Manfred Sommergruber

26.06.2017

Technologien

787 Wörter

6 Minuten Lesezeit

Offen bleibt: Analog oder digital Offen bleibt: Analog oder digital

Ähnliche Artikel

Wie Systeme kommunizieren

Technologien

Wie Systeme kommunizieren

Stefan Lugschitz | 29.06.2017 | 1402 Wörter | 10 Minuten Lesezeit

Funktion braucht Kommunikation: Schnittstellen sorgen dafür, dass die Bestandteile der Bahninfrastruktur optimal vernetzt werden.

Weiterlesen
„Streng nach Protokoll“

Applikationen

„Streng nach Protokoll“

Fabian Schwarz | 28.06.2017 | 1087 Wörter | 8 Minuten Lesezeit

Bahnanwendungen werden immer komplexer. Melanie Kleinpötzl, Frauscher Product Management, erklärt im Interview, wie leistungsfähige Softwareprotokolle die notwendige reibungslose Kommunikation zwischen den Systemen gewährleisten.

Weiterlesen
Eisenbahn: Digitales im Analogen

Technologien

Eisenbahn: Digitales im Analogen

Stefan Marschnig | 30.06.2017 | 1527 Wörter | 11 Minuten Lesezeit

Digitalisierung ist auch für die Eisenbahn das beherrschende Thema. Verfügbare Daten müssen dazu intelligent genutzt werden. Das betont Stefan Marschnig, Associate Professor an der TU Graz.

Weiterlesen
Technologie-Mix für mehr Information

Technologien

Technologie-Mix für mehr Information

Mayank Tripathi | 27.06.2017 | 1545 Wörter | 11 Minuten Lesezeit

Klug kombinieren für echten Zusatznutzen: Wenn Distributed Acoustic Sensing (DAS) mit Achszählern und induktiven Radsensoren verknüpft wird, lassen sich wertvolle Informationen für Eisenbahnanwendungen generieren.

Weiterlesen